Bibliographie von Horst Mahler


Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa (1971)

Der Text wurde im Gefängnis verfaßt und als Tarnschrift unter der Bezeichnung "Neue Straßenverkehrsordnung" verbreitet. Später hat sie der Rotbuchverlag als Rotbuch 29 herausgebracht. Dessen Inhaber, Klaus Wagenbach, wurde dafür mit 9 Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt. 1987 ist der Text als "Alte Straßenverkehrsordnung" in 3. Auflage in der Edition TIAMAT neu verlegt worden. Eine weitere Ausgabe ist in: "Rote Armee Fraktion - Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, ID Verlag, S. 49 ff. enthalten. Er wurde allerdings aus der online-Version http://www.nadir.org entfernt. Dazu schreibt der Verlag:

"Der Schwerpunkt der Dokumentation liegt auf den Jahren 1970 bis 1977, der ersten Phase der Auseinandersetzung, die in gewisser Weise mit dem GSG9-Einsatz in Mogadischu und dem Tod der Stammheimer Gefangenen abgeschlossen ist. Aus dieser Phase fehlt vor allem der 1971 von Horst Mahler verfaßte Text "Kollektiv RAF, Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa" (auch bekannt unter: "Die neue Straßenverkehrsordnung"), der in der RAF von Anfang an umstritten war. Dieser Text wurde aus demselben Grund nicht abgedruckt, aus denen auch Texte verwandter Bewegungen, vor allem der Bewegung 2. Juni und der Revolutionären Zellen, fehlen: Die Dokumentation mußte eingegrenzt werden, um nicht uferlos zu werden...."

Dazu: Hier beginnt schon die Geschichtsfälschung nach stalinistischem Vorbild. Die Schrift wurde von der RAF als " in der RAF umstritten" dargestellt erst nachdem der Verfasser die Gruppe öffentlich kritisiert hatte und deshalb ausgeschlossen worden war. Der Text ist die umfassendste Darstellung des Konsenses der Gründungsmitglieder, wie er jedenfalls bis zur Inhaftierung des Verfassers in der Gruppe bestanden hatte. Die Verbreitung der "Neuen Straßenverkehrsordnung" wurde von der RAF organisiert. Diese hat den Text auch in die erste von ihr selbst herausgegebene Sammlung von Dokumenten der RAF aufgenommen.

Die durch die Baader-Befreiung bedingte vorzeitige Illegalisierung der Gruppe verhinderte die Fortsetzung der in Berlin im Märkischen Viertel begonnenen Basisarbeit. Sie sollte das "Wasser" schaffen, in dem die Fische, die Kombattanten der RAF, hätten "schwimmen" können. Baader - aus der Not der Isolierung der Gruppe eine Tugend machend - nannte das später "Indianerspiele". In der Erklärung zur Auflösung der RAF vom März 1998 ist die Restgruppe auf die in der Schrift vertretene Position zurückgekehrt.

Der Konsens aus der Gründungsphase schloß die Ermordung von "Feinden" aus. Es war an ein wesentlich niedrigeres Militanzniveau gedacht. Die Tötung von Menschen sollte nur in "Notwehr" - d.h. in einer Gefechtssituation - in Kauf genommen werden.


Ausbruch aus einem Mißverständnis (1977)

Kursbuch 48 S. 77

Kursbuch/Rotbuch Verlag; herausgegeben von Karl Markus Michel und Harald Wieser unter Mitarbeit von Hans Magnus Enzensberger

Enthaltend ein Biogramm bis einschließlich 1977

Die Arbeit entstand auf Anregung von Ingrid Karsunke, die als Redakteurin eine Rückschau auf 10 Jahre Studentenrevolte für das Kursbuch zusammenstellte.

Es handelt sich um einen Schlüsseltext, der die theoretische Überwindung des Revolutionarismus dokumentiert


Neu Beginnen (1978)

Bibliographische Notiz:

Dieser Text wurde auf Einladung von Günther Nenning geschrieben und als „Brief aus dem Kerker“ in drei Folgen in der in Wien erscheinenden Zeitschrift "NEUES FORVM" veröffentlicht - und zwar

TEIL 1 in Heft 291/292 - März/April 1978 S. 8 ff

TEIL 2 in Heft 293/294 - Mai/Juni 1978 S. 18 ff.

TEIL 3 in Heft 295/296 - Juli/August 1978 S. 25 ff.

Herbert Marcuse hielt den Essai - wie er in einem Brief an Günther Nenning schrieb - „für einen der wichtigsten Beiträge zur Theorie und Praxis der Linken“.

Im Jahr 1980 brachte der der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) nahestehende Verlag DE DONATO den Essai unter dem Titel "PER LA CRITICA DEL TERRORISMO" als Band 103 der Reihe DISSENSI heraus.

In der Bundesrepublik Deutschland fand sich bisher kein Verleger.

Diese Veröffentlichung veranlaßte das Management-Institut Hohenstein, mit dem Autor und dem Jesuitenpater Prof. Rupert Lay ein Management-Seminar durchzuführen. Über dieses hat u.a. das manager magazin 1/81 ausführlich berichtet. In dem Vorspann zu diesem Bericht heißt es:

Großes Aufsehen erregte ein Marxismus-Seminar mit dem Jesuiten Professor Rupert Lay und dem RAF-Mitbegründer Horst Mahler, noch bevor das Management Institut Hohenstein die Veranstaltung überhaupt durchgeführt hatte. Wer jedoch auf ein Spektakell zwischen Ex-Terrorist und Exorzist gespannt war, wurde enttäuscht. Sie stellten gemeinsam ein ungewöhnliches gesellschaftstheoretisches Konzept für den sozio-ökonomischen Wandel vor, in dem Manager die Hauptrolle spielen.


Hegels Theorie des modernen Staates rehabilitiert (1979)

Zum Buch von Shlomo Avineri: "Hegels Theorie des modernen Staates"; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 146, Frankfurt/Main 1976, 332 Seiten

Die Rezension wurde auf Anregung von Gerhard Schröder (Kanzler-Kandidat der SPD) verfaßt und im theoretischen Organ der SPD veröffentlicht, weil Schröder der Meinung war, daß das Buch von Avineri eine möglichst große Verbreitung finden sollte. Sie veranlaßte Shlomo Avineri wie folgt an den Autor zu schreiben:

I am writing this to tell you how much I enjoyed reading your review of my book on Hegel's political philosophy. Though we obviously disagree about some central points of interpretation, I wanted to tell you that I have learned much from reading your article and greatly appreciate the fact that you were ready to invest so much detailed work in writing the review. It certainly is the one review from which I learned more than from many more more detailed studies of Hegel and political philosophy.

Der Aufsatz wurde abgedruckt in der NEUEN GESELLSCHAFT Heft 9 1979, 26. Jahrgang

Herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Willy Brandt, Prof. Dr. Reimut Jochimsen, Prof. Dr. Peter Lengsfeld, Friedel Schirmer, Prof. Dr. Carlo Schmid, Prof. Dr. Dr. Theodor Strohm, Heinz O. Vetter

Redaktion: Herbert Wehner (Chefredakteur), Hans Schumacher (verantwortlich) Anschrift der Redaktion: GodesbergerAllee 143 5300 Bonn 2 Telefon 378021-25

Verlag Neue Gesellschaft GmbH Godesberger Allee 143, 5300 Bonn 2 Telefon (0 22 21 ) 37 80 21-25

Redaktionsbeirat: Helmut Schmidt (Vorsitzender), Bruno Friedrich Dr. Werner Thönnessen, Dr. Hans-Jochen Vogel


Der Pulverturm von Mogadischu (1979)

(aus dem Programmheft der Tübinger «Räuber»-Aufführung)

Quelle: Theater heute, Heft 11 1979, Friedrich Verlag Seelze ; S. 52

Der Autor thematisiert den Ausweg aus dem moralischen Dilemma, in dem er sich bei der Gründung der RAF gewähnt hatte.


Der Minister und der Terrorist - Gespräche zwischen Gerhart Baum und Horst Mahler (1980)

SPIEGEL-BUCH Nr. 1, SPIEGEL-Verlag, Hamburg 1980


SPIEGEL-Reflexe

Kommentar zum SPIEGEL-Gespräch mit Gerhart Baum (1980)

SPIEGEL-BUCH Nr. 1, SPIEGEL-Verlag, Hamburg 1980, S. 85 ff.


Terrorismus als Aufklärung über die Aufklärung – oder der Unendlichkeitswahn des Endlichen (1981)

Gedanken über Günter Rohrmosers „Zäsur“ Frankfurter Rundschau vom 19.Mai 1981 S. 9

Diese Rezension führte durch Vermittlung des Autors 1982 zu einem ausführlichen Gespräch zwischen dem Kulturphilosophen Günter Rohrmoser und Gerhard Schröder (heute Kanzler-Kanditat der SPD) in Stuttgart.


„Ist Dein Mut zu töten wirklich so groß?“Offener Brief an den Philosophen

Günter Anders veröffentlicht in der taz vom 16. Juli 1987

(Der Philosoph Günter Anders hatte 1987 öffentlich dazu aufgefordert, Manager und Politiker zu ermorden, „die aus Beschränktheit der Phantasie oder aus Blödheit des Herzens vor der Gefährdung und Tötung der Menschheit nicht zurückscheuen.“)


„Zwischen Turmbau zu Babel und Pfingstwunder“ (1997)

Ist das Ende der Defundamentalisierung der Kultur in Sicht? – Gedanken zum 70. Geburtstag von Günter Rohrmoser

Der Text wurde am 1. Dezember 1997 im Rahmen einer Festveranstaltung der Gesellschaft für Kulturwissenschaft in Stuttgart vorgetragen.


Der Ernstfall auch in Russland - Russische Philosophen diskutieren Günter Rohrmoser

Rezension (1998)

Herausgeber W. Stjopin, Akademie der Wissenschaften Rußlands,

Verlag: Akademie der Wissenschaften Rußlands - Gesellschaft für Kulturwissenschaft, 76467 Bietigheim/Baden

ISBN 3-930218-33-X, 331 Seiten, DM 48,--


Ex nihilo veritas fit – oder das Vermächtnis der 68er (1998)

Artikel in der JUNGEN FREIHEIT Nr. 17/98 vom 17. April 1998, dort unter der Überschrift „Zweite Steinzeit“.

Die Motive, die Horst Mahler veranlaßt haben, für die JUNGE FREIHEIT zu schreiben, hat er in dem Brief an den Redakteur Thorsten Thaler vom 20. April 1998 dargelegt.


Die Logik des Schreckens – ein Epilog auf die RAF (1998)

Leicht gekürzt in der Süddeutschen Zeitung vom 27. April 1998, Seite 13, unter der Überschrift „Sonst kommt die Moral“ abgedruckt.