"Zwischen Turmbau zu Babel und Pfingstwunder" (Watzlawik)
(Dazu 1. Mose 11; Apg. 2, 1-13)
Ist das Ende der Defundamentalisierung der Kultur in Sicht? - Gedanken zum 70. Geburtstag von Günter Rohrmoser
__________________________________________________________________
"Wir erleben das Ende der Verständigungsmöglichkeiten über das, was das geistige und religiöse Fundament unserer gemeinsamen Kultur sein könnte. ... Die kulturelle Zersplitterung und Fragmentierung kann ein Ausmaß annehmen, daß die Menschen keine gemeinsame Sprache mehr haben, in der sie sich auch nur darüber verständigen könnten, worüber sie streiten wollen. Das ist unsere Lage."
(Rohrmoser, Der Ernstfall S. 452)
Ich ehre Günter Rohrmoser als Mentor der Linken in unserem Lande.
Die Bedeutung Rohrmosers für die intellektuelle Linke halte ich für den wichtigsten Aspekt seiner Wirkungsgeschichte.
Nach ihrem Selbstverständnis gelten der Linken nicht Offenbarungen oder Traditionen, sondern nur die Resultate ihrer Anstrengungen im Denken.
Rohrmoser packt uns an unserem Selbstverständnis. Unerbittlich mutet er uns zu, angesichts des epochalen Zusammenbruchs der Sowjetunion und ihres Satellitensystems unser Denken auf die Höhe der Zeit zu bringen.
Die Linke erfährt so Zuwendung von einem Manne, der - in Deutschland fast einsam - an der Überzeugung festhält, daß wir uns als Menschen und als Volk nicht aus freiem Entschluß selbst konstruieren können, sondern unentrinnbar der sind, der wir geworden sind, daß wir uns von unserer Geschichte nicht lösen können, ohne uns selbst aufzulösen, daß unser Werden aber noch nicht vergangen, das Ende der Geschichte nicht in Sicht ist.
Das meint er aber nicht in dem landläufigen Sinne, daß unsere Vergangenheit als untilgbare Schuld auf uns und auf allen künftigen Generationen lastet. Er meint es vielmehr in dem Sinne, daß die Geschichte, indem sie einer Schlachtbank gleicht, die Bewegung des objektiven Geistes selbst ist, der sein Dasein in der Welt hat und in ihr sich zum Bewußtsein seiner selbst durchringt. Nach diesem Verständnis ist die Geschichte der Fortschritt des Geistes im Bewußtsein der Freiheit.
Dieser Standpunkt ist mit dem linken Weltbild unvereinbar. Die Linke meint, daß alle bisherige Geschichte nur die Vorgeschichte des Menschen sei, der seine eigentliche Geschichte erst mit dem Anbruch des Sozialismus, mit der klassenlosen Gesellschaft, beginnen werde. Die vermeintliche Vorgeschichte war in dieser Konzeption vom Menschen die Leidensgeschichte seiner Erniedrigung, der Verhinderung bzw. Pervertierung seines Menschseins.
Der Maßstab, der es der Linken ermöglichte, so über die Geschichte zu urteilen, war der Glaube, daß der Mensch von Natur aus gut sei, und allein durch seine gesellschaftlichen Verhältnisse verdorben werde. Die vermeintliche Güte des Menschen wurde in den Köpfen der Linken auf einen noch nie dagewesenen, von allen antagonistischen Widersprüchen befreiten Zustand der Gesellschaft projiziert, in dem der Mensch sich selbst als Neuen Menschen erschaffen haben würde. Der Wirklichkeit wurde die Reverenz erwiesen, daß sie alle materiellen Voraussetzungen dieser lichten Zukunft hervorgebracht aber gerade dadurch jegliche Berechtigung verloren habe.
Zwar hatte sich die von den Intellektuellen geprägte Neue Linke in Europa - auch in der Bundesrepublik Deutschland - schon vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus dieser Utopie verabschiedet, dabei aber nicht bemerkt, daß sie damit den Maßstab ihrer Kritik verloren hatte. Quasi über Nacht war sie in ein geistiges Vakuum gestürzt, ohne ein klares Bewußtsein davon zu erlangen.
Das ist die Stunde des Günter Rohrmoser. Wo und soweit das geistige Vakuum bewußt wird, wird seine These von der Geschichtlichkeit unseres Seins zur Herausforderung für das Denken.
Die Chance für die Linke, wieder Boden unter die Füße zu bekommen, liegt heute allein in neuerlichem Nachdenken über die Gegenwart als Resultat der Geschichte. Wie gehen wir mit unserer Geschichte um?
Die Anwesenheit der russischen Philosophen mag uns bewußt machen, daß das russische Volk mit seiner Vergangenheit qualitativ anders umgeht, als das deutsche Volk mit seiner Geschichtslast. Obwohl der Stalinsche Terror nicht weniger - eher mehr - Menschenleben vernichtet hat als die Hitlerdiktatur, sind in Rußland die kommunistischen Organisationen nicht verboten. Sie nehmen teil an den geistigen und politischen Auseinandersetzungen. Wer immer sich als Kommunist definieren mag, kann das offen zeigen. Die Kommunisten können sich ungehindert auf dem Roten Platz in Moskau versammeln, ihre Fahnen schwenken und voller Verehrung Stalinbilder zeigen. Ungehindert dürfen sie - hier stockt mir der Atem - ihrer Liebe zu Stalin, die es millionenfach gegeben hat und heute noch gibt, Ausdruck geben. Der Präsident der Duma würde sein Amt nicht verlieren, wenn es ihm einfiele, vor diesem Gremium über die Faszination zu sprechen, die Stalin auf Russen (ich sage bewußt nicht: auf die Russen) ausgeübt hat.
Dieser offene Umgang mit der jüngsten Vergangenheit ist die erste und wichtigste Voraussetzung für eine schöpferische Befassung des russischen Volkes mit seiner Geschichte und seiner geistigen Tradition. Soweit ich das beurteilen kann, gibt es in Rußland keine Anzeichen für einen Gesinnungsterror.
Wir können hier von den Russen lernen.
Die Begegnung Rohrmosers mit den russischen Philosophen könnte der Beginn sein der Wiederfindung des deutschen Volkes aus seiner Geschichte, in der der Völkermord an den europäischen Juden - der Holocaust - nicht ausgespart, die aber von diesem Grauen nicht verschlungen ist.
Rohrmoser findet mit seinem Buch: "Der Ernstfall" in Rußland deshalb große Beachtung, weil er wie kein anderer Denker von Rang die grundlegende Bedeutung der Geschichte eines Volkes und der in ihr wirkenden geistigen Tradition für das Überleben herausgearbeitet hat. Und die Substanz, der sich diese Tradition verdankt, ist - wer wollte das Bestreiten - die christliche Religion.
Aber Rohrmoser stellt für uns Deutsche die Nationale Frage. Wenn wir auf sie keine Antwort finden - so Rohrmoser - drohe der Rücksturz in die Barbarei. Ähnlich hat wohl auch der jüdische Gelehrte Jacob Taubes, ein Mitstreiter und Freund aus der Zeit des Republikanischen Clubs in Berlin, gedacht. Er hat mich schon 1980 auf die Dringlichkeit der nationalen Frage hingewiesen, "die, wenn ihr nicht Aug' in Aug' geschaut wird," - so schrieb er- "die Deutschen von hinterrücks überfallen wird." Ich führe das hier an als Beleg dafür, daß auch Opfer des deutschen Nationalismus das Ausbleiben der Rückbesinnung auf unsere nationale Identität als Gefahr sehen und vor den Folgen warnen.
Für die Linke war die Nationale Frage kein Diskussionsgegenstand, weil sie die Medienmeinung teilt, daß die Welt vor uns Deutschen nur dann sicher sein werde, wenn wir uns als Volk in die höhere Einheit Europa auflösen. Das Gegenteil werde eintreten, meint Rohrmoser.
Es bleibt festzuhalten, daß die Erhaltung des Friedens in Europa und das gedeihliche Zusammenleben der Völker für Rohrmoser den gleichen Rang hat wie für die Linken und Bundeskanzler Helmut Kohl.
Für Rohrmoser ist die Gefährlichkeit der Deutschen aber nicht in ihrem Nationalcharakter begründet- wie die Sieger über Deutschland uns das einerzogen haben -, sondern in der Beschädigung oder gar Zerstörung ihrer Identität als Volk und Nation.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Die Zerstörung des Nationalbewußtseins der Deutschen ist ihre eigene Tat. Sie ist die Kehrseite des Holocaust. Nachdem das deutsche Volk das jüdische Volk umgebracht hatte, konnten wir nicht mehr in den Spiegel schauen. Wir fürchteten die grauenvollen Gesichtszüge.
Wir, die deutsche Linke, glaubten unserer Verantwortung dadurch gerecht zu werden, daß wir uns an der Überwindung der vermeintlichen Ursache des Hitlerismus abarbeiteten. Dieser sei - so meinten wir - eine Erscheinung des in Fäulnis übergegangenen Kapitalismus.
Diesen Standpunkt können wir nun nicht mehr halten. Er setzt nämlich die Gültigkeit der marxistisch-leninistischen Gesellschaftstheorie voraus. Diese aber hat durch die Geschichte jegliche Plausibilität eingebüßt.
Auch Rohrmoser deutet die das 20. Jahrhundert prägenden Gewaltorgien als Erscheinungen des Verfalls. Aber was ist es, was da in Verfall begriffen ist?
Was war das Besondere, das bis dahin nie Dagewesene und in diesem Sinne Einmalige dieser Gewaltorgien?
Sowohl der Holocaust als auch der Archipel Gulag waren nicht Verbrechen von Einzelnen - die gab es schon immer und wird es immer geben - ; es waren auch nicht Staatsverbrechen im Sinne von Völkerrechtsverletzungen - beispielsweise durch geächtete Formen der Kriegführung - oder im Sinne politisch motivierter Verletzung der Menschenrechte zum Zwecke der Machterhaltung bzw. Selbstbehauptung von Machteliten.
Das Besondere des Holocaust und des Archipel Gulag - und in diesem Sinne sind sie identisch - besteht darin, daß sich das Verbrechen jeweils als Gesellschaftssystem organisierte und zu seiner Selbstverwirklichung einen chirurgischen Eingriff in die Schöpfung ausdrücklich zum Programm erklärte, mit diesem Ziel die Staatsmacht eroberte und den Staat, das Dasein des Rechts und Freiheit, das Dasein Gottes zum ausführenden Organ des Verbrechens machte.
Warum aber werden wir dieses Treibens von Staaten als eines unsagbaren Grauens inne? Die Apokalypse könnte doch auch etwas ganz Fröhliches sein. Einen Vorschein von Auschwitz und Workuta hatten wir in der Französischen Revolution während des Terrors des Wohlfahrtsausschusses. Damals wurde die Menschenschlachtung öffentlich zelebriert und die Menge jubelte jedesmal, wenn ein Kopf in den Korb fiel. Können wir nicht auch Auschwitz beklatschen?
Wir können das offensichtlich nicht, weshalb Hitler jeden mit dem Tode bedrohte, der die Wahrheit über Auschwitz verbreitete.
Die Antwort gibt Rohrmoser: "Die Bestimmung des Negativen setzt aber immer etwas Positives voraus, das eine Bestimmung von etwas als negativ erlaubt."
Im Entsetzen über das Grauen erweist sich etwas als daseiend und dann auch wirkend, das durch seine Existenz die Menschenschlachtung erst zum Grauen macht. Wir können diese Wirklichkeit getrost "Gott" nennen. Und niemand, der den Holocaust als unsagbares Grauen empfindet, kann diese Wirklichkeit leugnen. Sie erweist noch in der Leugnung des Holocaust - die bei uns ja neuerdings unter Strafe steht - ihre Macht: denn die, die den Holocaust leugnen, wollen dadurch doch nur etwas, das ihnen heilig ist, unbefleckt halten. Indem sie den Holocaust als ein befleckendes Ereignis auffassen, stellen sie sich gegen das Böse - und erweisen sich so als "Menschen guten Willens".
Für die folgende Argumentation ist es von eminenter Wichtigkeit festzuhalten, daß die Leugner des Holocaust nicht leugnen, daß die fabrikmäßige Abschlachtung von Menschen das Grauen schlechthin sei; vielmehr leugnen sie nur, daß solches von Deutschen und im Namen des deutschen Volkes tatsächlich geschehen sei.
Selbst Himmler hat - wie seine Rede vor KZ- Schergen auf der SS-Ordensburg belegt - die Menschenvernichtung in den Konzentrationslagern und durch die Sondereinheiten der SS als Grauen empfunden. Denn er sprach von dem "Heroismus" der Mörder, die - um der vermeintlichen Rettung des deutschen Volkes willen - ihre angesichts des Grauens empfundenen Skrupel in soldatischem Gehorsam überwinden. Und er verdammte jene, die, indem sie aus Mordlust töten, die soldatische Disziplin verletzen.
Die Göttlichkeit des Menschen zeigt sich gerade darin, daß er sich in seiner Freiheit für das Böse entscheiden kann, das dadurch nicht nur ein Inneres bleibt, sondern Dasein gewinnt, in der Welt ist.
Eine freie Entscheidung für das Böse steht immer im Zeichen des Wissens, daß es das Böse ist - also das ist, was eigentlich nicht sein soll - , und daß man auch anders könnte. Dieses Wissen ist per definitionem "schlechtes Gewissen". Es macht die Tat zum Verbrechen.
Das Gewissen ist nichts anderes als die Wortmeldung des absoluten Geistes oder Gottes in uns. Wir bezeichnen deshalb Menschen, die in sich diese Wortmeldung nicht vernehmen, als unzurechnungsfähig, d.h. als Geisteskrank.
Daß Hitler in "Mein Kampf" - also im Gespräch mit seinen Anhängern - eine vermeintliche Rechtfertigung für den Holocaust beibrachte, erweist seine Zurechnungsfähigkeit. Er und seine Anhänger sind deshalb Verbrecher und keine Geisteskranken.
Legt man - wie es heute geschieht - die Differenz zwischen Holocaust und Gulag in die These, daß "am Anfang des Nazismus der Haß auf Menschen war, während am Beginn des Kommunismus die Menschenliebe" gestanden habe, so ist das nicht nur ein Ausdruck völliger Blindheit, es ist eine Absage an die Vernunft.
Auch die Kommunisten konnten nicht ohne Haß Menschen töten. Gerade darin zeigt sich ihre Menschlichkeit. Denn Haß ist eine innere Veranstaltung zur Überwindung der Menschlichkeit. Durch Haß befähigt sich der Mensch zur Tötung von Menschen.
Die Kommunisten predigten den Klassenhaß, auch wenn sie das ideologisch zu verschleiern suchten. Die Einsicht in die vermeintliche Notwendigkeit der physischen Liquidierung der Ausbeuterklassen konnte nur durch das Schüren von Haß gegen die Ausbeuter, also gegen die zu Tötenden in Politik des kommunistischen Staates umgesetzt werden. Und weil die Zahl der vermeintlichen Ausbeuter groß war, hat Stalin aus ideologischen Gründen mehr Menschen umgebracht als Hitler.
Es kommt aber auf das Zahlenverhältnis überhaupt nicht an. Das Große Töten als solches ist Thema unserer Tage.
Der Holocaust - gerade weil er uns als das Unbegreifliche erscheint, sein Schrecken unfaßbar ist - stößt uns auf dieses Thema, dem wir nun nicht mehr ausweichen können.
Der Völkermord hat uns als Menschen zerstört. Zuallererst uns Deutsche, auch als Volk. Aber nicht nur uns.
Der optimistische Blick auf die Gegenwart ist der Blick der Vernunft auf das Grauen des 20. Jahrhunderts, auf den Holocaust, auf den Archipel Gulag, auf Hiroshima, auf die Killing Fields in Kambodscha.
In der Überzeugung, daß es in der Geschichte vernünftig zugehe, haben wir in den Stationen des Grauens die Vernunft aufzuzeigen, aber nicht in dem Sinne, daß die genannten Ereignisse Heimsuchungen sind als Strafe für Sündhaftigkeit, sondern als Ausdruck eines zerrissenen Denkens, das jetzt aus dieser Zerissenheit zu sich findet, indem es den Atheismus und Nihilismus als Verlust seiner selbst erkennt. Erkennt, daß die Leistung des Verstandes das skrupellose Töten ist und nur die Vernunft, wohin der Verstand aufgehoben ist - in dem dreifachen Sinn des Negiertseins, des Bewahrtseins und des Erhobenseins - das Töten überwindet, dadurch uns im Selbstbewußtsein unserer Göttlichkeit als Menschen wiederherstellt. Wir erkennen uns darin als in Einheit mit dem Absoluten - man kann auch sagen: mit Gott - als die Stätte seiner Hervorbringung als Wirklichkeit. Allein darin haben wir Leben -also auch Zukunft. Dem Menschen in dieser neuen Gestalt - die wohl von dem "Neuen Menschen" zu unterscheiden ist, den sich der Verstand zurecht gemacht hatte - ist das Töten von Menschen wesensfremd.
Der Mensch, der sich so erfaßt, weiß von sich und von allen Menschen, daß er - und wie er jeder Mensch - als schlechthin Einmaliger in der Welt ist mit dem Auftrag, sich in der Wirklichkeit - auch der widerwärtigsten - als Mensch in seiner Göttlichkeit zu erweisen. Vor diesem Bewußtsein werden alle Versuche, die Menschenschlachtung als geschichtliche Notwendigkeit zu rechtfertigen, zunichte. Erst durch dieses Bewußtsein wird die Tötung von Menschen zum absoluten Verbrechen und als solches zur absoluten Ausnahmeerscheinung und Ausdruck nur privater Willkür.
Erst dieses Bewußtsein gibt die Kraft zum absoluten Widerstand gegen das Böse in seinem Dasein. Es ist die gleiche Kraft, die die ersten Christen zum Märtyrertum befähigte. Dieser Widerstand führt das Töten von Menschen nicht mehr in seinem Arsenal, weil erkannt ist, daß das Töten von Menschen selbst schon das ist, was durch den Widerstand zu überwinden ist.
Die darin keimende Bereitschaft, zur Bezeugung der Wirklichkeit Gottes zu sterben, ist die wahrhafte Überwindung des Todes. Tod wo ist dein Stachel? Hölle wo ist dein Sieg?
Wenn ich versuchen sollte, diesen Standpunkt in eine griffige Formel zu kleiden, würde ich sagen: Annahme und Bewährung ist von uns gefordert. Annahme der Welt als Wirklichkeit des absoluten Geistes; Bewährung als Mensch, d.h. als sein Gehilfe im geschichtlichen Prozeß seiner Vollbringung.
Es ist eine betrübliche Tatsache, daß kleinere Leichenberge, die es in der Geschichte ja schon oft gegeben hat und die auch von Männern der Kirche aufgeschichtet wurden, augenscheinlich nicht hoch genug waren, um den Standpunkt des Geistes so zu erhöhen, daß von ihm aus die Kernfrage in sein Blickfeld kommt. Die Kernfrage ist die Freiheit des Geistes. Der Geist ist frei, indem er nichts als sich selbst zum Gegenüber hat, in allem sich selbst weiß, also von nichts abhängt, das er nicht selbst ist.
Der Verstand, der die Welt nach dem Grundsatz konstruiert, daß A immer nur A und nicht zugleich auch B ist, der das Unendliche Ganze in lauter endliche Dinge verwandelt, ist der Geist in seiner Unfreiheit.
Nur das verendlichende Denken ermöglicht projektive Theoriebildung, d.h. Welterklärungen, die jeweils ein Negatives als dem Verantwortungsbereich des jeweils Anderen zugehörig interpretieren, dadurch zu Feindbildern und infolge davon zu Bürgerkriegen führen. Es liegt in der Logik dieser Theorien, daß die Negativität eines Zustandes jeweils als verursacht durch Anderes interpretierbar ist, welches dann zum Gegenstand eines chirurgischen Eingriffs wird in der Meinung, dadurch die Negativität aufheben zu können.
Soweit sich der absolute Geist noch nicht als Geist in seiner Freiheit erfaßt hat, sondern in seinem Anderen noch eine Objektivität, also ihn Begrenzendes sieht, geht er dazu über, dieses Andere in seinem Dasein, also als materielle Existenz zu vernichten, wo es nur darum geht, den im Anderen ausgedrückten Gedanken in seiner Einseitigkeit, also in seiner Unwahrheit zu erkennen, ihn dadurch aber zugleich als Moment der Wahrheit zu beglaubigen, also auch zu berechtigen.
Hitler hat sich entschlossen, die Juden zu vernichten, weil er sie für Vergifter des "völkischen Geistes" und in diesem Sinne für Todfeinde hielt.
Stalin hielt die vermeintlichen Ausbeuter für Todfeinde. Er war überzeugt, daß die Ausbeuter wegen ihres "Klasseninteresses", aus dem ein prinzipiell konterrevoltuionäres Bewußtsein resultiert, nicht nur nicht für die proletarische Revolution gewonnen werden könnten, sondern stets für die Konterrevolution - das absolut Böse - arbeiten würden.
Beiden ging es also um die Nihilierung geistiger Gestalten. Die Frage war, ob Widersprüche im Geistigen dadurch gelöst werden können, daß man die Köpfe abschneidet, in denen die vermeintlich bösen Gedanken wohnen.
Es ist ein nicht revidierbares Faktum, daß der absolute Geist die Antwort praktisch, also im Dasein, im Prozeß der Welt ermittelt hat.
Dieser Gedanke könnte anstößig erscheinen, ist es aber nicht. Die Geschichte ist nicht das Feld der Moral, und die moralische Weltanschauung ist nach Hegel "ein ganzes Nest gedankenloser Widersprüche". (W 3, 453). Mich hatte sie zur Roten Armee Fraktion geführt.
Wenn die Geschichte die Erscheinung des absoluten Geistes in seiner Auslegung als Dasein ist, dann kann kein Moment der Geschichte der Verdammnis anheimfallen. Das Subjekt des moralischen Urteils über die Geschichte wäre der absolute Geist selbst und nicht etwa ein anderes Prinzip, ein zweiter Gott. Im moralischen Urteil über die Geschichte würde der absolute Geist über sich selbst richten, über die Art und Weise, in der er selbst etwas über sich in Erfahrung gebracht hat.
Aber jede Geschichte hat eine Moral. Die Moral jeder Geschichte ist der Gedanke, in den sich der absolute Geist in seiner Manifestation wirft, um ihn am Dasein zu erfassen.
Die Moral der Geschichte der Glaubenskriege am Morgen der Neuzeit und ihrer Leichenberge - man denke nur an die Bartholomäusnacht - war die Realisierung des Liberalismus in Europa. Rohrmoser beschreibt das im "Ernstfall" (S. 94/95).
Auch der Holocaust und der Archipel Gulag haben eine Moral - also einen Sinn. Der jüdische Historiker Amos Funkenstein ("Jüdische Geschichte ... S. 263), hält es für anstößig, den Holocaust zu etwas "Unbegreiflichem" zu erklären, in ihm keinen Sinn sehen zu wollen. Viele Juden sind singend und betend vor die Erschießungskommandos der Sondereinheiten getreten, haben ihre Kinder getröstet und deren Blick gen Himmel orientiert in der Glaubensgewißheit, daß ihr Tod durch Gott einen Sinn hat.
In Rücksicht auf den Europäischen Bürgerkrieg (E. Nolte) ist die Moral der Geschichte die Ermöglichung der Erkenntnis, daß der einseitige Gedanke seine Einseitigkeit nicht dadurch überwindet, daß sein Anderes, das ihn zur Einseitigkeit herabsetzt, in seiner daseienden Gestalt vernichtet wird. sondern allein durch die Anstrengung des Denkens. Durch die Anstrengung des Denkens, das sich fähig gemacht hat, die Gegensätze als Momente des Einen, in dem sie aufgehoben und wahrhaft versöhnt sind, zu begreifen. Diese Fähigkeit hat das Denken zuerst in Hegel erlangt. In ihm hat es sich selbst als die befreiende Kraft des Geistes erfaßt.
Dieses Denken hat sich als rechte und linke Hegelrezeption wieder entzweit und ist so selbst einseitig geworden. Hegel hat in seiner Rechtsphilosophie seinem System dieses Schicksal vorausgesagt. Es ist in der Geschichte als kritische Überwindung (erste Negation) aller früheren Gestalten des Geistes ins Dasein getreten. Es hatte das Negierte aber noch als Dasein sich gegenüber. Dieses veränderte sich dadurch und wurde zum Versuch, seinerseits den Geltungsanspruch der Hegelschen Philosophie zu negieren. Die Zahl der Hegelbezwinger ist Legion.
Doch in seinem Bemühen, das Neue zu negieren, sog dieses alte Denken soviel des neuen Denkens in sich ein, daß es schließlich an diesem seine immanente Grenze erkennt und damit seine Endlichkeit eingesteht. So vollbringt das Hegelsche Denken die zweite Negation des alten Denkens und gewinnt dadurch erst seine affirmative, d.h. wahrhafte Gestalt. Unsere Zeit ist die Zeit der zweiten Negation des alten Denkens. Hier ist Günter Rohrmoser anzutreffen. Es ist für mich denkbar geworden, daß wir in der Affirmation des Hegelschen Systems der Philosophie des absoluten Geistes die Sprache finden, die überall verstanden wird, daß sich das Pfingstwunder ereignet.
Vor mir hat so schon Michael Theunissen zur Kennzeichnung seiner eigenen Position - wenn auch mit anderen Worten - den Rohrmoserschen Standort bestimmt. Dieser habe, so schreibt er, "der vielerorts als maßgeblich geltenden Hegelauffassung der 'Linken' längst den Boden entzogen". Als ihm, Theunissen, sinnverwandte Interpreten speziell der Religionsphilosophie nennt er namentlich Bruaire und Chapelle im französichen, Fackenheim im englischen und Rohrmoser im deutschen Sprachraum. (S. IX).
Am folgenreichsten ist Hegel durch Marx in den philosophischen Materialismus integriert worden, der sich fortan als "dilalktischer Materialismus" verstand - ohne allerdings das Hauptstück der Hegelschen Dialektik verstanden zu haben..
Die marxistische bzw. neomarxistische Hegelrezeption leugnet, was Hegel die Identität von Identität und Nichtidentität genannt hat, in der die Gegensätze wahrhaft versöhnt sind.
Das ist für Rohrmoser der zentrale Angriffspunkt. Mit nicht zu überbietender Prägnanz kennzeichnet er die Achillesverse des linken Denkens: "Sie (die Linken) streichen das Moment affirmativer Synthesis, behalten nur die Momente von Identität und Differenz über und spielen das eine gegen das andere aus. Die nicht vorstellbare wahre Versöhnung wandert in die Utopie aus."(Ernstfall S. 306).
Von diesem Fundament aus konnte sich Rohrmoser der vom Liberalismus getragenen, von der Linken intellektuell akzentuierten Defundamentalisierung der Kultur - Rohrmoser bezeichnet diesen Prozeß respektvoll als Kulturrevolution - unbeirrbar und siegessicher entgegenstemmen, deren Resultate - statt die Menschheit zu beglücken - das deutsche Volk wehrlos der Selbstzerstörung ausliefern. Mit seinem Werk: "Der Ernstfall - die Krise unserer liberalen Republik" hat er diesem Volk die Dignose gestellt, die - hegelisch-dialektisch - zugleich die Therapie in sich enthält.
Horkheimer und Adorno produzierten Ratlosigkeit mit ihrer These, daß Auschwitz nicht eine Abirrung vom Weg der Aufklärung sondern deren Vollendung sei. Bloch versetzte uns in Angst mit der bangen Frage, ob sich der Marxismus im Stalinismus nicht zur Kenntlichkeit entstellt habe.
Diese Überlegungen blieben folgenlos, wurden von uns verdrängt, - weil sich keine mögliche Antwort abzeichnete. Wir interpretierten Hegels Satz, daß es in der Geschichte vernünftig zugehe, einseitig im Sinne des historischen Materialismus, also falsch.
Uns ist von Hegel ins Stammbuch geschrieben, daß die Geschichte den, der sie vernünftig ansieht, auch vernünftig ansieht. Beides - so lehrt er - sei in Wechselbestimmung. Deshalb tragen wir Verantwortung für unseren Blick auf die Geschichte.
Rohrmoser geht es um nichts anderes. Sein gesamtes Werk ist nichts anderes als das Bemühen, unseren verrückten Blick auf die Geschichte, der unserer Verrücktheit im politischen Handeln zugrunde liegt, aus der Verrückung zu hebeln, um ihn wieder zu einem vernünftigen zu machen.
Rohrmosers Satz vom Scheinen des Positiven in das Negative ist umkehrbar. Er kann auch lauten: "Die Bestimmung des Positiven setzt aber immer etwas Negatives voraus, das eine Bestimmung von etwas als positiv erlaubt.", d.h. auch das Negative scheint in das Positive.
In dieser Doppelung haben wir das Theorem der kongnitiven Komplementarität (Einheit) von Gut und Böse vor uns. Sie legt den Grundstein für ein neues Nachdenken über die Aporetik der Moderne.
Ich assoziiere dazu den Satz Hegels: "Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit ist, ist weder das Sein noch das Nichts, sondern daß das Sein in Nichts und das Nichts in Sein - nicht übergeht, sondern übergegangen ist. Aber ebensosehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem anderen: das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat." (W 5,83)
Bloch meinte, dieser Satz klinge wie Tollhaus. Doch nicht dieser Satz ist Tollhaus, sondern die Welt des 20. Jahrhunderts. Sie ist dieses Tollhaus, weil sie diesen Satz nicht in ihr Bewußtsein aufgenommen oder ihn wieder vergessen hat.
Mit der Rohrmoserschen Aufklärung über die Aufklärung, mit seinen Betrachtungen über die "Anwesenheit des Abwesenden in der Wirklichkeit" halten wir - damit meine ich uns Deutsche - den Schlüssel zu unserer Geschichte in den Händen: Das Böse verweist auf das Gute und umgekehrt. Beide sind zwar unterschieden aber ungetrennt und untrennbar. Als Einheit gefaßt sind sie weder das Gute noch das Böse, zugleich aber auch das Gute und das Böse. Diese Einheit, in der sie als Gutes und Böses - im dreifachen Sinne von negiert, bewahrt und erhöht - aufgehoben sind, ist in der Form des reinen Gedanken das, was in der Form des Vorstellens "Gott" und in Hegels Sprache "absoluter Geist" genannt wird.
Das ist aber nicht nur der Schlüssel zu unserer Geschichte; es ist ein in sich schlüssiger Gottesbeweis in der Denktradition des Anselm von Canterbury. Nach ihm ist die Existenz Gottes identisch mit dem Begriff, den wir in unseren Gedanken vor uns bringen: indem wir diesen Begriff von Gott haben, ihn also denken, ist Gott. Der Satz der Atheisten: "Gott ist gar nicht" - hat keine Bedeutung.
Daher kann alles nur noch um die Frage gehen, wie wir Gott denken, welchen Inhalt sein Begriff hat.
Selbst wenn er nicht glauben wollte, - so schrieb Anselm im 11. Jahrhundert - daß Gott existiert, müßte er es doch einsehen. Der Inhalt, der unter dem Namen "Gott" gefaßte Gedanke, hat eine Geschichte. Hegel war wohl der erste, der in diesem Sinne die Geschichtlichkeit Gottes zum Gegenstand des Denkens gemacht hat.
Es geht um diese Einsicht.
Ich brauche Gott nicht im Jenseits zu suchen, ich könnte es auch nicht.
Die Menschen - oder die Menschheit - stehen nicht ausserhalb des von Rohrmoser so bestimmten Verhältnisses von Gut und Böse, weil der Mensch nicht ausserhalb von Gott steht, nicht woanders seinen Ort hat. Denn wenn der Mensch einen Ort hätte, an dem Gott nicht ist, wäre Gott zur Endlichkeit herabgesetzt, er hätte am Menschen eine Grenze. Gott ist aber der Unendliche, Allgegenwärtige und Ewige, er geht durch den Menschen hindurch, wohnt in ihm. Da ist kein Rest, wo er nicht wäre. Er ist als absoluter, nur von sich selbst abhängender Geist unendlich, der sich in sich selbst unterscheidet und so im endlichen Geist, dem Menschen, Dasein und Wirklichkeit hat.
Es muß nachdenklich stimmen, daß das in der Form des reinen, von keiner Vorstellung getrübten Gedankens so erst von Hegel herausgedachte Verhältnis schon im Alten Testament (1. Moses 6,3 in der revidierten Fassung von 19956 und 1964) angegeben ist:
Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben 120 Jahre.
Damit ist gesagt, daß der Geist Gottes - und er ist nur Geist - im Menschen waltet. Nach dieser Seite ist der Geist des Menschen nichts anderes als der Geist Gottes.
Ich kann deshalb heute die biblische Offenbarung und das Neue Testament in vielerlei Hinsicht als den Vorschein des Selbstbewußtseins Gottes lesen.
Daß sich auch die andere Seite hervortut, nach der der menschliche Geist das Andere Gottes ist, steht dem nicht entgegen. Es kommt darauf an, den Begriff des Anderen richtig zu fassen.
GOTT spielt nicht mit seiner Schöpfung und das als Schicksal erlittene Grauen ist nicht Heimsuchung und Strafe für Ungehorsam gegen ihn. Wer solches behauptet, lästert Gott.
Wer aber Gott überhaupt leugnet, kann nicht sinnvoll von Schuld und Verantwortung reden, denn da wäre nichts, das Schuld und Verantwortung begründen könnte. Nur der Mensch selbst - ein Abstraktum - könnte als Instanz angerufen werden. Aber diese Instanz wüßte keine Antwort auf Nietzsches Frage: "Wozu Mensch überhaupt?" Warum sollte die Gattung Mensch erhalten bleiben? Das Recht wohnte beim Überwältiger, und nur wo seine Kraft nicht ausreicht, es zu negieren, könnte das Gesetz sich durchsetzen. Aus diesem Boden wächst kein Ethos. Bestenfalls bringt er nur eine Illusion von Sittlichkeit hervor.
Gott ist als absoluter Geist nicht schon vor allem Anfang der Geschichte anundfürsich in seiner Vollkommenheit vorhanden, d.h. seiner selbst vollkommen bewußt und gewiß. Die Welt und ihr Endzweck sind nicht der Vollzug eines vor ihr schon fertigen Planes; - sie wäre so etwas höchst Überflüssiges, ein Zeitvertreib für einen sich sonst langweilenden Gott. Diese Vorstellung ist anstößig und gotteslästerlich.
Die Welt und die sich in ihr ereignende Geschichte ist Gott selbst in der Gestalt des Anderen seiner selbst, keine autonome Macht gegen ihn, sondern die aus seinem Geist geschöpfte Materie, in der er sich verwirklicht und selbst anschaut, um sich seiner selbst bewußt zu werden.
So hat Hegel das Wesen der Geschichte bestimmt.
Die Erkenntnis, daß der Holocaust ein spirituelles Phänomen ist, schließt ein für allemal seine Wiederholung - so oder anders - aus. Warum?
Der Holocaust war, als er sich im Bewußtsein der Deutschen vorbereitete, noch nicht als das Böse erkannt. Es gab ein tiefes Einverständnis, dessen Wurzel - was sich wohl zeigen ließe - der Kampf des jüdischen Monotheismus mit der christlichen Dreifaltigkeitslehre ist, die vom Judaismus als Götzendienst gesehen und abgelehnt wurde/wird.
Den beteiligten Religionen ist es erst mit der Hegelschen Philosophie möglich, die Dreifaltigkeit : Gottvater, Gottsohn, Heiliger Geist aus der endlichen Vorstellung auf den Begriff der Unendlichkeit zu bringen, d.h. als Begriff zu erkennen, damit dem absoluten Geist eine sich selbst wissende neue Gestalt zu geben.
In dieser Gestalt ist der mosaische Gott ebenso aufgehoben - also bewahrt - wie die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit. Damit ist der theologische Gegensatz - einen religiösen hat es nie gegeben - zwischen Judaismus und Christentum überwunden.
Aber das Prinzip der Hegelschen Philosophie: "des vernünftig gedachten Begriffs der Einheit von Einheit und Differenz" (Rohrmoser, Ernstfall S. 306) war nur erst als Samen, als Anfang, in seinem Ansichsein in der Welt, noch nicht in das Dasein eingearbeitet, damit noch nicht als Wirklichkeit entfaltet, noch nicht Anundfürsichsein des absoluten Geistes.
In der Wirklichkeit standen sich der Einundderselbe noch als verschiedene, scheinbar getrennte und in Gegensatz befindliche und dadurch endliche Gottheiten oder Götter gegenüber. Ihr Kampf vollzog sich in der Form der Endlichkeit. Diese Form ist das Töten, vorbereitet in der Sphäre der endlichen Vernunft (Verstand) , die die rassistische Ideologie des Faschismus Hitlerscher Prägung hervorgebracht hat. Hitler hat diese Ideologie in Politik übersetzt und die Ermordung der Juden Europas zum Programm erhoben.
Erst die Tat als geschichtliches Ereignis, der Holocaust, stürzt den endlichen Geist in seine ultimative Krise: entweder er erfaßt sich jetzt wirklich, d.h. als geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit in seiner wahrhaften Unendlichkeit - oder er wird an sich selbst irre, was sich in revolvierender Wiederkehr der Barbarei zeigen würde.
Gegenwärtig scheint die Versenkung im Irrsinn und die aus ihm entspringende Barbarei näher zu sein, als die Rettung durch Vernunft als vernünftig-selbstbewußte Wirklichkeit.
Aber:
Die Gedanken der Menschen sind die Gedanken Gottes. Die Taten der Menschen sind die Taten Gottes - im Guten wie im Bösen.
Diese Einsicht begründet die unendliche Zuversicht, daß es mit der Geschichte ein gutes Ende nehmen wird, denn das Böse ist das Nichtige, an dem das Gute seine überlegene Macht demonstriert.Die unter diesem Gesichtspunkt vorzunehmende Periodisierung der Geschichte, wird freilich ganz anders aussehen, als in unseren Geschichtsbüchern. Vor allem ändert sich der zeitliche Horizont.
In welcher Zeit leben wir eigentlich?
Die zureichende Epochenbestimmung findet sich bei Nietzsche in der Parabel vom Tollen Menschen (Fröhliche Wissenschaft Nr. 125), der Gottes Tod ausruft. Unsere Zeit ist angesichts leerer Himmel die Epoche der Gottsuche. Sie wird jetzt abgelöst durch das Zeitalter der Auferstehung.
Die Zeit, in der wir uns Gott im Himmel thronend vorstellten, nenne ich das himmlische Zeitalter, auch in dem Sinne, weil der Mensch seines Gottes noch gewiß war.
Aber Gott im Himmel - das war das Jenseits, dem alle Ehre gebührte gegen das Diesseits, wo der Mensch in den Staub geworfen ein nichtswürdiges Wesen war.
Das himmlische war zugleich das blasphemische Zeitalter. Der Mensch als unwürdiges Wesen lästerte Gott, indem er sich nicht in seiner Göttlichkeit erfaßte. Als gegen Gott Unwürdiger setzte der Mensch Gott eine Grenze: Gott konnte das nicht sein, was gegen ihn unwürdig war. Also war er dort nicht, wo der Mensch war.
Gott war durch das nichtswürdige Diesseits verendlicht, d..h. als Gott negiert.
In diesem Verhältnis war Gott nur erst in räumlicher Endlichkeit. Aber er war noch da, - nur woanders. Dieses Woanderssein war bestimmtes Sein, Dasein Gottes. So hatte der Mensch noch Hoffnung. Er konnte noch seinen Blick zu Gott erheben. Er war zwar unwürdig aber nicht gottlos.
Ein endlicher Gott ist aber ein toter Gott. Sein Tod mußte als solcher ins Dasein treten. Seine Verendlichung mußte auch in der Zeit zum Ereignis (Gottes Tod).. und damit vollendet werden. Dieses Ereignis ist die Aufklärung. Welch ein Ereignis!
"....
Wir haben IHN getötet -ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? ...Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab? .... Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat - und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!"
....
"Ich komme zu früh," sagte er ..., ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert - es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und gehört zu werden. Diese Tat ist ihnen noch immer ferner als die fernsten Gestirne - und doch haben sie dieselbe getan."
Die Gottsuche war das schlechthin verzweifelte und trostlose Unternehmen der Moderne. Wie Nietzsche voraussah, mußten wir, um der Größe unserer Tat zu genügen, selber zu Göttern werden. Um uns als solche zu beweisen, unserer als Schöpfer der eigenen Existenz ansichtig zu werden, verfielen wir auf den Gedanken, die nun als gottlos verkannte und dadurch erst als fehlerhaft mißdeutbare Schöpfung durch ein Menschenopfer nach unseren Entwürfen zu korrigieren.
In diesem Sinne waren Hitler und Stalin aporetische Götter, gekoren aus der Verlegenheit (Aporie) heraus, in gottloser Zeit nicht ohne Götter existieren zu können. Hitler war sich dessen bewußt. Er faßte sein Handeln als Eingriff in die Schöpfung. Von sich sagte er: "So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."
Stalin hatte nicht das Bedürfnis, sein Wirken als göttliche Geschäftsführung ohne Auftrag zu begreifen. Aber auch er hat, indem er abermillionen Kulaken in den Hungertod schickte, liquidatorisch in die Schöpfung eingegriffen in dem Wahn, damit der Menschheit den Weg in das irdische Paradies zu eröffnen.
Die Moderne hat den Turmbau zu Babel als Hekatombe aufgeführt.
Faschismus und Kommunismus beruhten beide auf verendlichtem Denken. Sie hatten ideologische Systeme auf der Grundlage von Todfeindschaft entwickelt. Der Kommunismus repräsentiert die rationalistische Variante, während der Faschismus eine mythologische Grundlage hat. Der "Wärmestrom des Marxismus" (Bloch) ist die säkularisierte Form der kosmopolitischen Erlösungsidee des Neuen Testaments, während der Nationalsozialismus einem alttestamentarischen völkischen Egoismus fröhnt. Durch seine mythologische Semantik ist er den Herzen der Menschen näher als der Kommunismus.
Die bewegende Kraft, die viele junge Menschen in unserem Lande unter den Bedingungen eines in der Geschichte bis dahin nicht gekannten Wohlstandes dazu bewogen hat, sich als marxistische Rebellen zu begreifen, hat ihre Quelle im judäischen Messianismus und in der christlichen Heilslehre.
Und ich sage auch: Die treibende Kraft, die viele Menschen in unserem Lande bewogen hat und heute wieder bewegt, dem Adolf Hitler anzuhängen, hat ihre Quelle in der Sehnsucht nach einem Dasein als deutsche Nation auf angestammtem Boden in Würde, Freiheit und Sicherheit.
Genaueres Nachdenken führt zu der Einsicht, daß beide Quellen einunddieselbe ist. Die Aufklärung - sowohl als Idee als auch als Dasein im Holocaust und im Gulag - hat diese Quelle verschüttet.
Ich sehe Günter Rohrmoser bei der Arbeit, uns über die Aufklärung aufzuklären und damit zugleich die Trümmer wegzuschichten, unter denen diese Quelle immer noch sprudelt. Sein Bemühen gilt nicht der Rechtfertigung der einen oder der anderen Vergangenheit, sondern der Herstellung einer Gegenwart, die von der Vergangenheit endlich nicht mehr bedroht ist.
Die Vergangenheit ist erst dann keine Bedrohung mehr, wenn sie begriffen ist. Gegenwärtig ist die Vergangenheit nur erst verdrängt, die braune etwas mehr als die rote.
Als verdrängte führt die Vergangenheit ein Eigenleben, unkontrolliert und unkontrollierbar. Gerade deshalb ist sie so gefährlich. Ihr Eigenleben führt sie in der Vorstellung, die Rettung aus der Not unseres Volkes oder auch nur "der Gesellschaft" könne von einem braunen, roten oder rot-braunen Regime kommen. Dieser Gedanke nistet in vielen Köpfen, in immer mehr Köpfen; denn die Not wird täglich größer.
Das Dasein aber, das dieser Gedanke nur hervorzubringen vermag, ist stets noch größere Not und schlimmere Barbarei. Niemand führt diesen Zusammenhang eindringlicher und überzeugender vor Augen, als Günter Rohrmoser. Mit lutherischer Sprachgewalt begabt, von prophetischem Ernst bestimmt, zieht er durch kenntnisreiche und zielgenaue Argumentation jeden, der sich zum Diskurs öffnet, in seinen Bann. Mit unnachahmlichem Geschick läßt er jeweils die Stärken seines Gegners aufleuchten, die in diesem Lichte sogleich vergehen.
Ich habe mich oft gefragt, ist Rohrmoser nun ein Philosoph oder ein Politiker, oder ein politisierender Philosoph oder ein philosophierender Politiker. Heute bin ich überzeugt, er ist alles das zugleich. Diese Einheit ist keine zufällig Fügung, sondern liegt in der Sache. Was hier Sache ist, hat Michael Theunissen (Hegels Lehre ... S. 60) in der wohl richtigen These zusammengefaßt, daß Hegels Philosophie des absoluten Geistes .... auf einem System (beruhe), das durchweg geschichtsphilosophisch und desgleichen religionsphilosophisch konzipert sei. 'Geschichtsphilosophie' sei keine besondere Disziplin, sondern das Hegelsche System überhaupt und im ganzen, aber so, daß dieses zugleich und in der gleichen Universalität Religionsphilosophie sei ... kraft dieser Koinzidenz von Geschichts- und Religionsdenken sei die Theorie des absoluten Geistes ein theologisch-politischer Traktat.
Das ist der geistige Boden, dem Rohrmoser entstammt. Ihn hat er für unsere Gegenwart in einzigartiger Weise bearbeitet und wieder fruchtbar gemacht.
Rohrmoser ist so Philosoph gerade dadurch, daß er die Gegenwart bestimmt sieht durch die in ihr aufgehobene Vergangenheit, als die so gewordene Gestalt des Geistes, der auch in der Politik zum Ausdruck kommt, darin aber noch nicht das Bewußtsein seiner selbst in Vollendung, seine Wahrheit, erreicht hat. Für den Philosophen ist die Politik deshalb ein würdiger Gegenstand des Denkens, weil es in der Wirklichkeit, in der Geschichte und in der Politik - hier verstanden als Geschichte im Werden - vernünftig zugeht. Rohrmosers Anliegen ist es, die in der Geschichte waltende Vernunft zur Sprache zu bringen, wo andere die Wirklichkeit in den Zeugenstand rufen, um ihren Aberglauben zu beweisen, daß es keine Vernunft gebe und alles dem Zufall überlassen sei.
Darin aber liegt zugleich das Härteste, was wir unserem Denken zumuten können. Der Holocaust ist danach nicht das Unbegreifliche. In ihm waltet Vernunft.
Auschwitz und der Archipel Gulag sind als nicht zu überbietendes Grauen zu Wendemarken in der Phänomenologie des Geistes geworden. Der Schrecken der selbst vollbrachten Endlichkeit vertreibt uns aus dem endlichen Denken der Aufklärung. Die Dialektik der Aufklärung ist die Auferstehung: Gott und Mensch sind in der Erkenntnis des heiligen Geistes durch die Philosophie versöhnt. Sie macht einsichtig, daß Gott und Mensch zwar unterschieden, aber nicht getrennt sind. Mensch und Natur sind das Andere Gottes, dieser ist aber in seinem Anderen bei sich und so wahrhaft unendlich.
Die Untaten des Nationalsozialismus und des realen Sozialismus sind für uns auch die Möglichkeit, der von Hegel nur erst in Gedanken vollbrachten Auferstehung zum Dasein zu verhelfen.
Der Gottsmord war die Tat des Menschen, der sich von Gott als der Wahrheit allen Seins emanzipiert hatte. Die Auferstehung ist die Tat des absoluten Geistes selbst. Diese Tat ist größer. 200 Jahre werden nicht reichen, um sie zu vollbringen.
Günter Rohrmoser verkörpert, indem er sein Philosophieren bewußt dem akademischen Philosophiebetrieb fernhält, stattdessen Philosophie als Einmischung in die Politik betreibt, die Auferstehung der Hegelschen Philosophie als philosophisch-politischer Traktat.
Die politische Brisanz seines Philosophierens bringt die Machthaber des Zeitgeistes gegen ihn auf. Sie haben um ihn, den wohl bedeutendsten Kulturphilosophen des Holocaustzeitalters, eine Mauer des Verschweigens errichtet.
Es ist dieses Regime des Zeitgeistes näher in Augenschein zu nehmen.
Es liegt in der Logik der Ereignisse, daß die Sieger über Deutschland durch unheilige Instrumentalisierung des Holocaust vermittels der geistesgeschichtlich nicht ausgewiesenen Kollektivschuldthese die Widerfindung des deutschen Volkes bis heute verhindert haben und weiterhin zu verhindern suchen.
Es liegt aber ebenso in der Logik dieser Entwicklung, daß sich das deutsche Volk gegen den Versuch seiner Liquidation im Sinne der zweiten Negation, also affirmativ wiederherstellt, den Holocaust weder relativiert noch leugnet sondern auf den Begriff bringt.
Die These von Wolfgang Wippermann, daß "der Kampf um die kulturelle Hegemonie" (ein Begriff von Gramsci, der die alles entscheidende Bedeutung der kulturellen Hegemonie herausgearbeitet hat) weitergehe, trifft ins Schwarze. Dieser Kampf ist mit dem Historikerstreit in das Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit getreten. Mit dem Buch von Goldhagen "Hitlers willige Vollstrecker" sind die Prohibitoren, die Verhinderer der deutschen Wiedergeburt, zu einer - wahrscheinlich letzten - Offensive angetreten.
Deutschland ist noch ein besetztes Land. Es ist das wichtigste Territorium, das Reich des Geistes, das fremder Herrschaft unterworfen ist.
Das ist kein Vorwurf. Die Feststellung richtet sich gegen niemanden - nur an uns selbst. Die Niederlage, die eine Befreiung war, war auch der Sieg der Feinde Deutschlands über unser Volk. Sie sind heute unsere Freunde. Aber die Geschäftsgrundlage dieser Freundschaft war - und ist wahrscheinlich immer noch - die bedingungslose Unterstützung des von den USA getragenen atlantischen Hegemonieanspruchs bei gleichzeitiger Preisgabe unseres Rechts, als eine selbstbewußte Nation dazusein und respektiert zu werden. Nur in gebückter Haltung sind wir wohlgelitten.
Das wird wohl nicht mehr lange gut gehen.
Nicht Schuld hat sich das deutsche Volk als solches mit dem Holocaust aufgeladen, sondern Verantwortung für die Art und Weise, in der die Deutschen ihre Geschichte sehen. Es ist gefährlich, das deutsche Volk mit einer geistesgeschichtlich nicht ausgewiesenen Begrifflichkeit auf ewig in Schuldknechtschaft halten zu wollen.
Das deutsche Volk - man wagt diesen Begriff schon gar nicht mehr auszusprechen - wird auch noch 50 Jahre nach dem Zusammenbruch von äußeren Mächten gegen die Vernunft im Zustand des zerstörten Nationalbewußtseins festgehalten.
Wir werden in den letzten Jahren des 2. Jahrtausends die historische Bedingtheit unserer gegenwärtigen antinationalen Bewußtseinsstruktur erkennen und so in die Lage kommen, die geistige Fremdherrschaft abzuschütteln. Dazu bedarf es einer Vergegenwärtigung, wie die Fundamente dieser Bewußtseinsstruktur gelegt wurden. Es waren die Siegermächte, die durch ihre Lizensierungspolitik bestimmten, welche geistigen Inhalte öffentlich erörtert werden durften, und sie bestimmten auch, wer sie vertreten durfte. Diese Besatzungspolitik fand in jenen Deutschen, denen die Zeitgeschichte das moralische Rückgrat gebrochen hatte, die einer geistigen Auseinandersetzung über ihr Dasein als Hitlerismus ausweichen wollten, willige Vollstrecker.
Lange bevor dafür die Begriff der "Political Correctnes" (PC) gefunden war, hatte sich eine unter dieser Bezeichnung zu fassende totalitäre Herrschaft bestimmter Ideen etabliert. Eine positive Reflexion der deutschen Nation war in ihrer vollen Bandbreite tabuisiert. Es wurde - wie der Fall Jenninger zeigt - sogar schon moderate Nachdenklichkeit in bezug auf die deutsche Geschichte stigmatisiert und zum Anlaß für Maßregelungen, also für Verfolgung, - wenn die Wortwahl, mit der man sich dem Problem zu nähern suchte, sich nicht in das Wahrnehmungs- und Begriffsraster der Political Correctness fügte.
Dieses zerstörerische Besatzungsregime ist mit dem 2+4-Vertrag nicht beendet worden. Die ausstehende intellektuelle Befreiung wird uns nicht - wie die staatliche Wiedervereinigung - als Geschenk der Geschichte in den Schoß fallen. Die Kraft zur Befreiung wird uns aus der Rückbesinnung auf die Geschichte der Deutschen zuströmen - aber nur, wenn wir unsere Geschichte auf höherem Niveau - im Höllenschein des Holocaust, also neu deuten. Dabei kann uns niemand helfen. Das kann nur das deutsche Volk selbst vollbringen. Dabei sollte es andere zwar hören und deren Gesichtspunkte zur Kenntnis nehmen und bedenken, sich aber nicht dreinreden lassen.
Die Linke muß sich - wie es Jacob Taubes gefordert hat - der Nationalen Frage annehmen. So - und nur so - können wir verhindern, daß die sich in der Jugend kräftig regenden nationalen Strebungen der nationalistischen Pest anheimfallen.
Wir Deutsche - und mit uns die ganze Welt - sollten beten, daß wir uns wieder als Nation erfassen und den aufrechten Gang erlernen.
Horst Mahler
Stuttgart, den 1. Dezember 1997