sangen
die Berliner zur Melodie des berühmten „Fehrbelliner Reitermarschs“,
sie drückten damit ihre Zuneigung zum ersten Deutschen Kaiser
(1871-1888) aus.
Gibt es
heute ebenfalls Gründe für Sehnsüchte nach alten Zeiten?
Vielleicht die Sehnsucht nach dem hohen Bildungs- und Wissenschaftstand
Deutschlands von 1870 bis 1935? Weltweit war Deutschland
das führende Land von Bildung und Wissenschaft, wie es Professor
Dr. David Nachmansohn aus New York ausdrückte. Die Reichskanzler
brauchten auf der internationalen Bühne keinen Dolmetscher,
sie sprachen fließend Französisch und Englisch.
Nach Christian
Thomasius (1655-1728) kann man ohne Geschichtskenntnisse
die Gegenwart nicht beurteilen. Der berühmteste Bildungspolitiker
Deutschlands war Ministerialdirektor Prof. Dr. Friedrich
Althoff (1839-1908), er beherrschte 25 Jahre lang das deutsche
Bildungswesen. Bildungsfragen wurden in Preußen nicht in
Parlamenten oder Ausschüssen zerredet, auch nicht nach ideologischen
Zielen ausgerichtet, sondern in kleinen Fachgremien der
Unterrichtsverwaltung entschieden. So bewährte sich auch
auf diesem Gebiet Sachlichkeit und Effektivität preußischer
Verwaltung.
– 40 Prozent
der Nobelpreise in Naturwissenschaft und Medizin wurden
deutschen Wissenschaftlern verliehen.
– 80 Prozent
der naturwissenschaftlichen Literatur in der Welt erschien
bis etwa 1935 nicht in englischer, sondern in deutscher
Sprache.
– Deutschland
kannte im Gegensatz zu anderen Ländern so gut wie keine
Analphabeten mehr.
– Deutsche
Universitäten wurden zum begehrten Ziel ausländischer Studenten.
– Die
deutsche medizinische Wissenschaft stand an der Weltspitze.
Daher wurde die Reichshauptstadt Berlin (1905) zum Sitz
der Internationalen Hygienegesellschaft gewählt.
Die von
Althoff geleitete Schulkonferenz des Jahres 1900 brachte
schon nach drei Konferenztagen eine kurze und klare Entscheidung.
Das Ergebnis dieser Schulkonferenz überdauerte das Kaiserreich,
die Weimaerer Zeit, die NS-Zeit und die Nachkriegszeit bis
in die 60er Jahre. Bis zu diesem Zeitpunkt stand das Leistungsniveau
deutscher Schulen über dem Weltdurchschnitt. Dann wurden
nicht nur die Universitäten, sondern auch die Schulen Opfer
des neomarxistischen Dilettantismus der 68er Revolte, Opfer
von Phrasen und ideologischer Gaukelei.
Viele
Handwerksmeister bemängelten die Rechenkenntnisse ihrer
Lehrlinge, die Universitäten beklagten die unbefriedigenden
Fähigkeiten der Studienanfänger. Auch ohne Pisa-Studie war
das Absinken der Schulleistungen bekannt. Trotzdem passierte
nichts: Die Kultusministerkonferenz, jahrelang von den sozialistisch
regierten Ländern dominiert, schwatzte und redete, schwatzte
und redete... „und wenn sie nicht gestorben sind, schwatzen
und reden sie noch immer“.