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Der Krieg ist die wechselseitige Anwendung von Gewaltmitteln durch Gewalttäter zur Durchsetzung einander ausschließender Zwecke. "Der Krieg", schreibt Carl von Clausewitz, "ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen." Bei den Zwecken kann es sich sowohl um reine Naturalien als auch um soziable Naturalien handeln. Der Zweck des Krieges kann also ein naturaler oder ein politischer sein, auch wenn er als Wirtschaftskrieg oder als geistiger Krieg geführt wird, wobei der Marktwirtschaftskrieg und der Meinungskampf dem politischen Krieg im militärischen Bereich entsprechen, ihre kategoriale Form ist die der Politik und des Rechts. Die dem Zwecke untergeordneten Gewaltziele der wechselseitig angewandten Gewaltmittel sind die gegnerischen Gewalttäter und ihre Mittel. Aber auch der Krieg als ganzer muß als Mittel, als ein und das selbe Mittel zweier Subjekte zur Verfolgung entgegengesetzter Zwecke betrachtet werden. Krieg ist die Fortsetzung der Bildung unter Einmischung antipädagogischer Mittel. Antipädagogische Mittel sind alle Gewaltmittel, die nicht auf die Erzeugung menschlicher Handlungs- und Arbeitskraft abzielen, sondern auf ihre teilweise oder gänzliche Vernichtung. Bildung ist also Produktion der menschlichen Arbeitskraft, Tatkraft oder Kompetenz, Krieg aber ihre wechselseitige Destruktion. Nicht das Gewaltverhältnis an sich zwischen tatkräftigen Menschen oder Gemeinschaften ist antipädagogisch, sondern sein kraftzerstörendes Ziel. Nicht das Mittel, sondern das Ziel bestimmt das Wesen des Vorganges. Im Pädagogismus, in der Sphäre ihrer Produktion, erwartet die Arbeitskraft Schutz, Förderung und Langeweile; im Bellizismus, ihrer Destruktionssphäre hingegen, findet die zur Streitkraft vollendete Arbeitskraft Gefahr, Zerstörung und äußerste Erregung, weil Sieg oder Niederlage. Deswegen sind die Schulen häufig die Ödnis der Nation, ist die Armee ihre eigentliche Schule und der Krieg den Völkern eine wahre Lehre. Das absolute Mittel ist jenes, welches niemals Ziel werden kann, also die Gewalt schlechthin. Sie ist immer reine Gewalttat, unerachtet der Gewaltmittel, die der Gewalttäter zwischen sich, seine Tat und deren Gegenstand gegebenenfalls einfügt. Ist der Gegenstand der mittel- oder unmittelbaren Gewalttat eine andere und gegnerische Gewalttat, heißen beide Gewalttaten zusammen ein Kampf, die darin verwendeten Mittel seine Waffen. Die Waffen eines Kampfes sind die Werkzeuge der wechselseitigen Destruktion und grundsätzlich nicht anderer Natur als die Arbeitsmittel der einseitigen Produktion. Allerdings ist die durch das Kämpfen gewonnene Welterkenntnis gesellschaftsnäher und also wirklichkeitshaltiger als die durch Arbeit erworbene. Deswegen gilt: Der Krieg ist die Krone der menschlichen Erkenntnis. Disziplin, Arbeit, Mechanik, Chemie, Biologie, Güter, Geist und Bildung hingegen sind dienende Zurüstungen und Erkenntnisweisen der Menschen als Kämpfer. "Die Gewalt rüstet sich mit den Erfindungen der Künste und Wissenschaften aus, um der Gewalt zu begegnen." (Carl von Clausewitz) Der Begriff des Krieges ist universell. So ist der Krieg der Worte die wirkliche Anwendung von Wortgewalt durch Wortgewaltige (oder auch durch Wortergreifer) zur Durchsetzung einander ausschließender Zwecke der Worte, d.h. ihrer Bedürfnisbezeichnungen. Der reguläre Krieg der Worte vollzieht sich zwischen Wortgewaltigen oder Wortgewalthabern, der irreguläre Krieg ist ein Angriffskrieg der zunächst wortlosen Wortergreifer gegen die Wortgewaltigen, um diese zu entworten und um selber wortmächtig zu werden. Ist der Zweck dieses Krieges ein politischer, dann haben die Worte außer ihrem naturalen noch einen abstrakten Wert und zu dem Gegenstand oder Bedürfnis, das die Worte bezeichnen, tritt eine gesellschaftliche Bedeutung und gar ein Sinn als Bedeutungszuwachs hinzu, so daß die umkämpften Worte zu Meinungen werden, also zu Gesinnungsrechten. Die Gewaltmittel im Wortgefecht sind sich kreuzende Bedürfnisbezeichnungen, die Gewalttat, die das Gewaltmittel als Wortwaffe führt, ereignet sich in der Deutung und Neudeutung der Worte als Begriffszeichen, um den gegnerischen Wortwaffenführer zu entworten und also zu entwaffnen, zumindest seine Wortstreitmacht zu schwächen oder ihn gleich totzureden, also sprachlos und mundtot zu machen. Eines jeden Krieges Kern ist der Kampf. Jede Art von Krieg ist ein Kräftemessen, ein Ringen. In der militärischen Art des Krieges wirken die körperlichen Kräfte unmittelbar, die geistig-seelischen Kräfte aber mittelbar - durch die körperlichen - auf die gegnerischen Kräfte ein. Im geistigen Krieg wirken umgekehrt die körperlichen Kräfte nur mittelbar, nur durch die geistigen Kräfte. Der Kampf, ob unmittelbar körperlich oder unmittelbar geistig, ist als elementares Kräftemessen immer ein Ringen. Der körperliche Ringkampf ist der Urbegriff des Kampfes schlechthin. Der Gegner selber wird ergriffen und bei Überwindung seines Widerstandes und seiner Gegengriffe und Gegenwürfe auf den Rücken geworfen, wird wehrlos gemacht und durch Niederwerfung in die Niederlage gebracht. Dies geschieht unter Aufbietung des gesamten Gewichtes des Körpers und der ganzen Kraft aller seiner Gliedmaßen. Ist das Ringen der Inbegriff des reinen, mittellosen Kampfes als des körperlichen Kräftemessens, so beginnt im Faustkampf die Instrumentalisierung von Körperteilen, die an sich schon innerhalb der Kraft jedes Kämpfers gegeben ist, denn im körperlichen Kampf war die Körperkraft ausführendes Werkzeug der geistigen Kraft, und im geistigen Kampf entfaltet sich die Körperkraft nur mittelbar, nur durch die Geisteskraft. Eine erfolgreiche Wortergreifung ist auch nur ein mittelbares Ereignis für eine physische Machtergreifung, der einfachste Soldat bedarf einer gewissen Geisteskraft, um nennenswerte physische Kampfkraft zu entfalten. Der Naturalismus des Krieges ist die spezifische Disziplin des Kämpfers, die seinen natürlichen Fluchtinstinkt hemmt, den Totstellreflex der bedrängten Kreatur aufhebt und durch die verschiedenen Arten der Selbstbeherrschung den Aktionismus der besonderen Kampfhandlungen begründet. Benutzen die Kämpfenden bestimmte Instrumente als Waffen, beginnt mit deren wechselseitigen Wirkungen der bellizistische Mechanismus. Der Faustkampf erzeugt mit der Faust, dem leeren Griff der Hand, eine erste, noch körpereigene Schlag- und Stoßwaffe. Wird die Faust mit dem Griff einer körperfremden Hieb- oder Stichwaffe gefüllt, ist der Übergang vom Aktionismus des Kampfes zu seinem Mechanismus vollzogen, aus Schlag und Stoß ist Hieb und Stich geworden und das weite Feld der physikalischen Kriegführung eröffnet. Auf dem Gebiet der mechanischen Kriegführung entwickelt sich zunächst das Handgefecht und die lange Kette der Spezialisierung der Handwaffen, deren wichtigste Unterscheidung die von Angriffs- und Verteidigungswaffen (Schwert und Schild) ist und sich zu entsprechenden Waffengattungen (Schwert- und Schildstreitkräfte) entfaltet. Schon im Altertum traten neben die Handwaffen die Kriegsmaschinen in Gestalt des schweren Belagerungsgerätes. Dessen unmittelbarer Nachfolger ist die Artillerie. Mit der Durchsetzung des Feuergefechts und der Feuerwaffen vollzog sich in der Gefechtsführung der Übergang vom Mechanismus zum Chemismus. Die chemische Waffe kann nämlich als Gift oder Propaganda direkt gegen die physische oder geistig-seelische Kraft des Gegners gewendet werden, oder aber indirekt wie bei der Handfeuerwaffe als chemischer Antrieb der Stoßkraft des Geschosses und obendrein des Lade- und Schußauslösungsvorganges verwendet werden. Nicht erst das Maschinengewehr, sondern auch schon der Vorderlader ist eine Kriegsmaschine, und zwar eine Stoß- oder Stechmaschine mit chemischem Antrieb und mechanischer Geschoßführung. Deswegen unterscheidet Clausewitz richtig das Handgefecht vom Feuergefecht. Der Biologismus ist der Kriegführung von jeher angemessen, denn die biologische Waffe ist ein Organismus, der geeignet ist, die als Organismus daseiende Kraft des Feindes auf der Höhe dieser Daseinsform zu vernichten, weswegen diese Waffe schon in der ersten Natur, in der vor-instrumentellen Daseinsweise des Naturalismus gegenwärtig war und in Gestalt von Seuchen gewaltige Zerstörungskraft entwickelt hat. Früh schon sind Krankheitserreger auch als Kampfinstrumente eingesetzt worden, aber ebenso gehören die Wanderungswaffe, die Rassenwaffe, die Vergewaltigungskampagne und der Abtreibungsfeldzug zur biologischen Kriegführung. Der bellizistische Finalismus endlich ist die Bewaffnung mit dem Ziel des Waffenganges, wobei sowohl das eigene wie das gegnerische Kriegsziel als vorwiegend moralische Waffen dienen können. Am einfachsten ist die Anwendung der finalistischen Waffen beim Landesverteidigungskrieg eines friedfertigen Volkes, weil das Kriegsziel des Verteidigers wie dasjenige des Angreifers gleichermaßen vom Verteidiger als geistige Rüstungs- und Kraftmaximierungsmittel gebraucht werden können, wohingegen der Offensivfeldzug gegen Aggressionsvölker diese schnell demoralisiert (Polen 1939, Frankreich 1940). Wenn die Ziele der Feldzüge und der Zweck des ganzen Krieges zum Rüstungsgut desselben und also zur moralischen Hauptwaffe geworden sind, müssen sie auch vollständig eingesetzt werden. Hat dies zum Sieg und zum gewünschten Erfolg geführt, dann ist das eigene Kriegsziel erreicht und das des Gegners vereitelt durch geglückte Finalisierung beider Ziele. Der Finalismus hat dem gedient, der ihn aus subjektiven wie aus objektiven Gründen richtig einzusetzen wußte, er hat sein Finale erreicht. Damit ist der Finalismus verbraucht, der Sieger sollte Frieden schließen, zur Festigung seiner Lage zum Infinitismus übergehen und sich mit unverbrauchlich gebrauchbaren Waffen rüsten, also mit Geist. Geistige Güter sind unendlich und ewig. Als Resultate des Denkens sind sie Gedanken, die in Tatgedanken (Ideen) und Denkgedanken, letztere noch in Denkgegenstände (Probleme) und Denkwerkzeuge (Begriffe) zu unterscheiden sind. Anders als materielle Güter sind geistige Güter unmittelbar, ohne jede Formänderung, als Waffen verwendbar. Als rein geistiger Vorgang ist das Gefecht zweier Begriffe, die gleichsam als Klingen gekreuzt werden, sofort entschieden, weil je nach Problemlage entweder der umfassendere Begriff den beschränkteren sich einverleibt und also erobert oder umgekehrt der speziellere Begriff den abstrakteren in viele besondere Teile zerspringen läßt. Begrifflosigkeit bedeutet im geistigen Kampf stets Wehrlosigkeit. Der Sieger des geistigen Kampfes behauptet das Gefechtsfeld des Begreiflichen, der Verlierer zieht sich in das Hinterland des Handgreiflichen zurück. Im Reiche des Gottes Mars, in den Kriegen der körperlichen Kräfte,
sind die geistigen Waffen den moralisch-seelischen, die aus der Erfassung
des Kriegszieles munitioniert werden, bei ansonsten gleichgroßen
Kräften immer überlegen. So ist es möglich gewesen, daß
an Zahl kleine und finalistisch benachteiligte Eroberer, die aber geistig
überlegen waren und damit auch technisch, taktisch und strategisch
in der Vorhand, ganze Welten erobert haben. Gegen solche Siege des Infinitismus
hilft der bellizistische Pädagogismus, der den Geist in erster
Linie nicht in Kriegstechnik, sondern in Krieger investiert, in ihnen den
Geist massenhaft lebendig macht und zu entscheidungsfähigen Kämpfern
mit Auftragstaktik ausbildet. Dies ergab die gebildeten Massenheere europäischer
Kulturvölker. Der reine Bellizismus unterwirft diese Völker
dann den strengsten Prüfungen, erteilt ihnen die höchsten Lehren
und führt sie durch das Gegenextrem des Pazifismus hindurch zum politischen
Begriff des Krieges als konfligierender Rechtserzwingungen und damit
zur Friedensfähigkeit, dem Begriffe des Rechts, und zum
politischen
Frieden als unstrittigem Rechtszustand.
Die Arbeit ist die bestimmte Negation der Natur. Die Mechanik wiederum negiert die Arbeit bestimmt, sie stellt das Arbeitsmittel in den Mittelpunkt ihrer Entwicklung von der klassischen bis zur Quantenmechanik. Die Chemie negiert die ganze Mechanik oder Physik auf ihre ganz bestimmte Weise, indem sie das Arbeitsmittel zur Randbedingung herabsetzt und den Arbeitsgegenstand in das Zentrum rückt, der als chemischer Prozeß immer ein Reaktionsautomat ist. Die Biologie verwirft alle Momente des Arbeitsprozesses durch ihren speziellen Betrachtungsgegenstand, den Prozeß als ganzen oder das Leben selber, einen Gestaltenkreislauf, worein menschliche Arbeit nur als Bestellung und Ernte eingreift. Die Frage nach der Ernte, nach ihrem endlichen Was und Wozu, negiert bestimmt das biologistische Prozeßdenken zugunsten der philosophischen Resultatsfrage im Stile einer aristotelischen Metaphysik der Güter. Diese wird gekrönt und überwunden vom Ideal des theoretischen Lebens, von der Metaphysik der Gedanken als der unverbrauchlich gebrauchbaren Güter, und in der Tat ist der Gedanke die gänzlich bestimmte Negation aller materiellen Güter. Der unendliche und ewige Gedanke wird als Lehrinhalt wieder herabgesetzt zum bloßen Bildungsmittel der endlichen und sterblichen Arbeitskraft, dies ist die didaktische Negation der geistigen Produktion oder des Infinitismus. Lehrinhalte sind der Gehalt aller erkenntnistheoretischen Stufen bis hin zum Pädagogismus selber und über ihn hinaus zum Anti-Pädagogismus, dem Bellizismus, der alle Erkenntnisstufen aus Lehrinhalten in Waffengattungen verwandelt. Die Lehrinhalte als Arbeitsmittel der Arbeitskraftproduktion (Qualifikation) werden zu Waffengattungen als den Mitteln der Arbeitskraftdestruktion (Dequalifikation) bestimmt negiert. "Der Tod", schreibt Hegel 1806 in Jena unter dem Eindruck der nahen Schlacht, "ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten, das, was die größte Kraft erfordert. Die kraftlose Schönheit haßt den Verstand, weil er ihr dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und von der Verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes." Der Krieg ist das verständige Mittel der Gemeinschaften, ihre Kraft zur Gewalttat zum Äußersten anzuspannen und im Kampf mit fremden Gemeinschaften Gewaltkraft aufzuopfern und der Zerstörung anheimzugeben, um sich zu erhalten, zu stählen und zu entfalten. Die Clausewitzschen Bestimmungen des Krieges hinsichtlich seines praktisch-friktionellen und nichtideellen Charakters und der überragenden Bedeutung der Kriegsgewohnheit des Heeres im wirklichen Kriege der militärischen Art bedarf keiner philosophischen Aktualisierung: "Gewohnheit stärkt den Körper in großen Anstrengungen, die Seele in großen Gefahren, das Urteil gegen den ersten Eindruck." Den Begriff des Politischen hat Clausewitz mit der Gegebenheit kriegführender Staaten vorausgesetzt, aber nicht abgeleitet, weshalb er keine Rechtsanalyse liefern und also den Unterschied von naturalen und soziablen Kriegszielen nicht fassen konnte. Dies haben wir oben nachgeliefert, ebenso die Einfügung der Philosophie der Waffengattungen in die reine Kriegstheorie als Selbstentfaltung des Kriegsbegriffes durch Zuweisung eines epistemologischen Ortes. Darzustellen bleiben jetzt außer einem formalen Resümee der Clausewitzschen Axiome des Kampfes und seiner Gesetze des Krieges noch eine spezielle Methodik desselben, die durch unsere Epistemologie der Waffengattungen, bei der es sich gleichsam um die Didaktik der Anti-Pädagogik handelt, erforderlich wird. Jetzt schon aber ist deutlich, was es heißt, von der Ebene des Bellizismus auf die des Pädagogismus hinuntergestoßen und zum Objekt einer Pädagogik der Sieger (Umerziehung) zu werden. Die Zerstörung der Kriegsfähigkeit ist die denkbar größte Dequalifizierung eines Volkes, ist ein unvergleichlich schlimmerer Kraftverlust als alle Kriegsverluste zusammen. Die Prämissen des Kampfes sind die folgenden:
Hat der Krieg trotzdem begonnen, gelten die folgenden Gesetze des Krieges:
Die Erzeugung einer Streitkraft ist von ihrem Gebrauche, ihre einseitige Produktion sowie ihre laufende Unterhaltung in Krieg und Frieden von ihrer wechselseitigen Destruktion im Gefecht zu unterscheiden, weswegen Logistik weder zum Krieg noch zum Handel im genauen Sinne, weder zur Logik noch zur Philosophie gehört. Die Ausrüstung und Ausbildung von Streitkräften fällt unter materielle, geistige und pädagogische Produktion, nicht unter kämpferische Destruktion und Erkenntniskrönung im Bellizismus. Als Bildung hat sie Naturbedingungen (Begabungsvoraus- setzungen) und Arbeitsresultate (Lern- und Übungsergebnisse), sie kennt eine Didaktik der Waffengattungen und eine Methodik des Waffengebrauchs. Die Taktik im genauen Sinne, als Gebrauch vorausgesetzter Mittel im Gefecht, ist bellizistische Methodik; sie lehrt, wie verschiedene Handhabungen des Mittels dessen Zerstörungskraft (als Gewaltdestruktivität wie als Gewaltintensität) an den ihr bestimmten Gegenstand, die lebendige Kraft des Gegners und ersatzweise dessen Waffen, zu bringen vermögen. Rekrutierungs- wie Kriegsformen sind abhängig von der Verfassung des Gemeinwesens. Regime des Freihandels führen Kriege in Freifeuerzonen, um die Grenzen, die freie Völker und eigensinnige Staaten ziehen, zu zerstören. Raumgerechte Volkswirtschaften reeller Nationen hingegen werden immer eine Raumdeckende Verteidigung aufbauen und das Land selber zur hochdifferenzierten Waffe aller seiner Leute entwickeln. Im Gegensatz zu den Kriegen, in die ganze Völker involviert sind, haben die hochbewaffneten Pazifizierungsinvasionen der liberalistischen Regime eine schnell schrumpfende Basis, ihr Kriegsgeist erstirbt allmählich zur bloß militärischen Demonstration. Seit dem Vietnamkrieg wird die neo-absolutistische Kriegsmaschinerie immer häufiger von nationalen Befreiungskämpfern gedemütigt. Der Kriegsgeist der Staaten steht heute weltweit auf derart niedrigem Niveau, daß praktisch nur noch globale Polizeiaktionen, aber keine klassischen Staatenkriege und schon gar kein Weltkrieg mehr vorstellbar erscheinen. Das läßt nicht auf das Ende der Kriege hoffen, sondern macht lediglich den baldigen Abgang des globalen Kapitalabsolutismus wahrscheinlich. Stoßen erst die souveränen und bewaffneten Völker aneinander, werden klassischer Duellkrieg und die kriegerischen Volksgeister rasch wiederauferstehen. Der Kriegsgeist der Völker wie der militärische Genius ihrer großen Feldherren bildet sich sehr schnell, weil der Krieg nur in der Wirklichkeit dank ständiger Friktionen so schwer ist, in seiner Theorie aber äußerst einfach. Solange der Kriegsgeist und die Souveränität der Völker nicht wiederhergestellt sind und ihre Majestät ungestraft beleidigt werden kann, müssen sie ständig Belehrungen über sich ergehen lassen, was sie gefälligst zu tun und wie sie ihre Länder einzurichten, wen sie bei sich zu dulden haben, wollen sie nicht wirtschaftliche oder militärische Sanktionen auf sich ziehen. Subjekten von Ehre Belehrungen zu erteilen, zieht unter edlen Männern ein Duell nach sich und ist unter freien Völkern eigentlich ein Kriegsgrund. Nicht die Weltkriege, sondern die Umerziehungen - totalitär in kapitalistischer und partikulär in kommunistischer Variante - waren der Schrecken des 20. Jahrhunderts. Mit Clausewitzens Werk "Vom Kriege" (1832) ist der Deutsche Idealismus in der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Militärischen angekommen. In diesem Werk ist auch schon ausgesprochen, daß der Krieg es mit der Ökonomie der Kräfte und der Zeit zu tun und mit dem Handel die größte Ähnlichkeit hat. Folglich durchdrang das nächste große Werk des Deutschen Idealismus die gesellschaftliche Wirklichkeit des Ökonomischen; es erschien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und trug den Titel "Das Kapital". Beiden Werken ist gemeinsam eine völlig unverbrauchte Jugendfrische, beide haben auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts nichts von ihrer Wahrheit eingebüßt. Es hat sich gezeigt, daß die Grundbegriffe beider Werke systematisch miteinander verknüpft werden können. Aber auch jeder Grundbegriff für sich ist weiterer Entfaltung und Präzisierung fähig, was hier am Kriegsbegriff zu demonstrieren war. Freilich sind der Krieg und die Erkenntnisstufe des Bellizismus nicht das letzte Wort der Völker, sondern die Geschichte, der Gang Gottes auf Erden, und der Historismus als Erkenntnisweise relativieren zuguterletzt alles.
Reinhold Oberlercher
(Januar 1999) Glossar: Gv
Arbeitskraft, Tatkraft, Handlungsfähigkeit, Kompetenz.
Gv(/) Streitkraft.
1/
Streitkraft 1 (Links).
1X2
Gefecht zwischen Links und Rechts. Treffen. Schlacht. Krieg.
1
Wieder zur Textstelle gehen.1 = Die
absurde Konsequenz, daß der Verteidigter immer die Kriegsschuld trägt,
folgt zwingend aus der Verknüpfung der Begriffe Krieg und Schuld.
Völkerrechtssubjekte haben sowohl das Recht zum Kriege (weil die Pflicht
zur außenpolitischen Rechtserzwingung) als auch Rechte im Kriege.
Die Verbindung von Krieg mit rechtlicher Schuld ist also sinnwidrig, nicht
aber die mit naturaler Schuld verstanden als Wirkursache. |
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