
Carl von Clausewitz
Ein Vorbild aus deutscher Geschichte
(01.06.1780 - 16.11.1831)
Ich sage
mich los:
- von der leichtsinnigen
Hoffnung einer Errettung durch die Hand des Zufalls
- von der dumpfen
Erwartung der Zukunft, die ein stumpfer Sinn nicht erkennen
will
- von der kindischen
Hoffnung, den Zorn eines Tyrannen durch freiwillige Entwaffnung
zu beschwören, durch niedrige Untertänigkeit und Schmeichelei
sein Vertrauen zu gewinnen
- von der falschen
Resignation eines unterdrückten Geistesvermögens
- von dem unvernünftigen
Mißtrauen in die uns von Gott gegebenen Kräfte
- von der sündhaften
Vergessenheit aller Pflichten für das allgemeine Beste
- von der schamlosen
Aufopferung aller Ehre des Staates und Volkes, aller persönlichen
und Menschenwürde!
Ich glaube
und bekenne:
- daß ein Volk
nichts höher zu achten hat als die Würde und Freiheit seines
Daseins
- daß es diese
mit dem letzten Bluttropfen verteidigen soll
- daß es keine
heiligere Pflicht zu erfüllen, keinem höheren Gesetz zu
gehorchen hat
- daß der Schandfleck
einer feigen Unterwerfung nie zu verwischen ist
- daß dieser
Gifttropfen im Blut eines Volkes in die Nachkommenschaft
übergeht und die Kräfte später Geschlechter lähmen und untergraben
wird
- daß man die
Ehre nur einmal verlieren kann
- ....
- daß ein Volk
unter den meisten Verhältnissen unüberwindlich ist in dem
großmütigen Kampfe um seine Freiheit
- daß selbst
der Untergang dieser Freiheit nach einem blutigen und ehrenvollen
Kampfe die Wiedergeburt des Volkes sichert und der Kern
des Lebens ist, aus dem einst ein neuer Baum die sichere
Wurzel schlägt!
Ich erkläre
und beteuere der Welt und Nachwelt:
- daß ich die
falsche Klugheit, die sich der Gefahr entziehen will, für
das Verderblichste halte, was Furcht und Angst einflößen
können
- daß ich die
wildeste Verzweiflung für weiser halten würde, wenn es uns
durchaus versagt wäre, mit einem männlichen Mute, das heißt,
mit ruhigem aber festem Entschlusse und klarem Bewußtsein
der Gefahr zu begegnen
- daß ich die
warnenden Begebenheiten alter und neuer Zeit, die weisen
Lehren ganzer Jahrhunderte, die edlen Beispiele berühmter
Völker nicht im Taumel der Angst unserer Tage vergesse und
die Weltgeschichte hingebe für das Blatt einer lügenhaften
Zeitung
- daß ich mich
rein fühle von jeder Selbstsucht
- daß ich jeden
Gedanken und jedes Gefühl in mir vor allen meinen Mitbürgern
bekennen darf
- daß ich mich
nur zu glücklich fühlen würde, einst in dem herrlichen Kampfe
um Freiheit und Würde des Vaterlandes einen glorreichen
Untergang zu finden!
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